Wanen

Wanen (Nord. M.), eine Völkerschaft, deren Wohnsitz Wanaheim gänzlich unbestimmt ist, und welche man bald an den Don (Tanais), bald an das Nordkap (Finnen, Vanen, W.) versetzt, die nur dadurch merkwürdig wird, dass sie mit den Asen in eine lange dauernde, entsetzliche Fehde verwickelt war, die zu beider Vernichtung führen zu sollen schien, bis man endlich Frieden schloss, und zur Bestätigung desselben Geisel austauschte, so dass die Asen Niord, Freia und Freir, die W. aber Häner und Mimer erhielten; auch spieen beide Parteien in ein Gefäss, aus dessen Inhalt die Asen den weisen Quaser erschufen. Die W. scheinen ein im Götterdienste wohl erfahrenes Volk gewesen zu sein, denn ihre Geisel führten die Verehrung der Götter bei den Asen ein; dagegen schienen sie der Staats- und Regierungs-Kunst unkundig, denn die Asen setzten ihnen Häner zum Könige, und gaben demselben den weisen Mimer als Rath zur Seite; woraus auch eine Art von Unterwürfigkeit der W. unter das Joch der erobernden Asen hervorgeht.

Quelle:
Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie. Stuttgart 1874, S. 447.




Wanen (Mythologie), ein von den Asen verschiedenes Geschlecht der nordischen Göttersagen, von welchem nur wenig bekannt ist. Es war älter als die Asen, und weiser, als diese; beide führten lange Kriege mit einander, endlich schlossen sie Frieden und tauschten Geißeln. Niord war ein Wane wie Freir und Freia, dessen Kinder. Als Asen und Wanen Frieden schlossen, brachten sie gemeinschaftlich den weisen Quaser hervor, aus dessen Blut hernach der Dichtermeth bereitet ward.

–ch–
Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 10. [o.O.] 1838, S. 381-382.




Wanen, ein germanisches Göttergeschlecht, mit denen die Asen gekämpft, sich dann verglichen und Geiseln ausgetauscht hatten. Die Wanengötter Njord, Freyr und Freyja kamen zu den Asen, Hönir zu den W. (s. diese Artikel). Die W. waren ursprünglich wohl Gottheiten der (atmosphärischen und pelagischen) Gewässer; als solche wurden sie dann einerseits zu Göttern der Fruchtbarkeit, anderseits zu Begünstigern der Schiffahrt und des Handels. Ihr Kultus ist, wie es scheint, zuerst bei den Südgermanen ausgebildet und erst von diesen zu den Skandinaviern gelangt.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 20. Leipzig 1909, S. 366.