Helheim

Helheim (Nord. M.), das Reich der grausen ⇒ Hel, gross und ausgedehnt, von zweiunddreissig Flüssen durchströmt, die aus dem Quell Hwergelmer entspringen, und deren einer das ganze Land umfängt; über diesen (Gjal) führt die mit Gold belegte Gjalarbrücke; an derselben hält eine Riesenjungfrau (Modgudur) Wache, welche die Ankommenden nach Namen und Geschlecht fragt, und ihnen den Weg zum Palaste der Hel zeigt; dann umschliesst ein hohes eisernes Gitter das Reich, und erst, wenn man dieses durchschritten hat, befindet man sich in einer der neun Welten. Auch an Hels Palast finden sich Jungfrauen als Wache, doch haben sie eisernes Blut, welches, wenn es auf die Erde fällt, Zank und Krieg erregt, und sie sitzen auf immer schreienden Stühlen (ihr Name ist Bigvör und Listvör). Hels Palast enthält einen Saal Eliud (Elend), ihr Tisch heisst Hungur (Hunger), Sultur ihr Messer (Fresssucht), Ganglate und Ganglöt (gehe langsam und gehe träge) ihr Knecht und ihre Magd, Fallandi Forad (fallende Thüre) ihre Schwelle, Kor (Erschöpfung) ihr Bette, Blickandiböl (Lästerung) ihre Decke. In H. oder Niflheim wohnt, auch die böse Schlange Nidhögr (Neidhard), welche die eine der drei Wurzeln des Weltbaumes, der Esche Ygdrasil, die sich bis in den Mittelpunkt von H., zum Brunnen Hwergelmer erstreckt, sammt allen ihren Kindern immerfort benagt; dort wohnt in einer eigenen Höhle auch der Hund Garmr, der beim Weltuntergang den Tod eines Asen herbeiführt. H. ist kein Strafort, sondern nur die Wohnung derjenigen, welche nicht an Wunden oder auf dem Schlachtfelde starben. Erst nach dem Weltuntergange werden die Bösen von den Guten gesondert, und die letzteren gehen zu ewiger Freude nach Gimle (Himmel), während die Bösen nach Nastrond (Leichenstrand) kommen.

Quelle:
Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie. Stuttgart 1874, S. 234.