Undinen

Undinen. Die Geister, welche das Wasser bewohnen, in der alten Naturgeschichte der Scholastiker; Elementargeister, gleich den Kobolden, Salamandern, Sylphen. Mit unnachahmlichem Zauber bekleidete die blühende Phantasie eines Fouqué, in dem wunderbar lieblichen Gedicht Undine, ein solches Wesen. Wir verweisen die Leser auf diese treffliche Dichtung.

Quelle:
Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie. Stuttgart 1874, S. 440.




Undinen, nach der mystischen Philosophie des Mittelalters die geistigen Wesen (Elementargeister) des Wassers; Wasserjungfrauen. Sie sind unsterblich, leben im Wasser, haben Macht über das Wasser u. repräsentiren dasselbe; wenn sie auf die Erde kommen, so sind sie stets daran kenntlich, daß das Ende ihres blauen Schleiers od. eines anderen Kleidungsstückes von Wasser benetzt ist. Sie knüpfen gern zarte Verhältnisse mit Sterblichen an; doch muß der Geliebte od. Gatte einer U. sich hüten dieselbe auf die Wellen zu bringen, da sie dort sogleich in das Wasser zurückkehrt. De la Motte Fonqué schrieb einen Roman U., Lortzing componirte eine Oper U. Vgl. Elementargeister u. Nixen.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 18. Altenburg 1864, S. 158.




Undīnen (Undenen, v. lat. unda, »Welle«), im System des Paracelsus weibliche Elementargeister des Wassers, die sich mit Vorliebe unter den Menschen einen Gatten suchen, weil sie mit aus solcher Ehe gebornen Kindern zugleich eine Seele erhalten sollen. Die Undinensagen sind vielfach dichterisch behandelt worden, z. B. im alten Roman von der Melusine (s. d.) und den Liedern und Sagen von den Rittern Temringer und Stauffenberger (neu gedichtet von Fouqué), und haben in neuerer Zeit auch den Stoff zu mehreren Opern (Lortzing) geliefert. Vgl. Nixen.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 19. Leipzig 1909, S. 892.




Ondinen, Undinen, die weiblichen Elementargeister der Gewässer, aus dem Volksglauben an Nixen (s. d.) hervorgegangen und durch die Poesie veredelt. Der Name kommt von dem lateinischen unda, ital. onda her, welches Welle heißt; daher Wellenmädchen, jungfräulich-zart gedacht, tiefe Liebessehnsucht im Herzen, verlockend wie Sirenen, schmachtend und zärtlich wie Najaden; in den Ondinen sind die Elemente nordisch-düsterer und südlich-heiterer Mythen wunderbar verschmolzen. In Matthisson's Gedicht »die Ondinen« ist ihre Wesenheit etwas unklar bezeichnet. Der Dichter behandelt den Stoff ironisch und scherzhaft, gleichwohl sagt er:

Im Schloß der Ondinen,
Das glänzend auf grünen
Gewölben der Fluth
Im Ocean ruht,
Regiert das Gefühl
Im heiligen Styl. (?)

Das schöne Mährchen von de la Motte Fouqué: »Undine« ist bekannt; in dieses ist aller Schmerz, alle süße Wehmuth, alle Melancholie, die durch die Aeolsharfensaiten der deutschen Sagen zittert, vereinigt.

Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 8. [o.O.] 1837, S. 16.