Berchta

Berchta (Perahta, d.i. die Glänzende), in der deutschen Volkssage ein weibliches Götterwesen, welches über die Spinnereien die Aufsicht führt u. alles das verdirbt, was sie an dem letzten Tage des Jahres, welcher ihr gewidmet ist, nicht aufgesponnen findet. Daher ist sie ein gefürchtetes Wesen. Ihr Fest wird gefeiert mit Brei u. Fischen. In Süddeutschland ist das Perchtenlaufen od. Perchtenspringen in den Zwölfnächten noch gebräuchlich, wo Banden von jungen Burschen (Berchten) unter dem Klang von Kuhglocken u. dem Geklatsch von Peitschen hüpfend u. springend umherziehen u. schmaußen (Berchteln). Sie ist auch die Weiße Frau (s.d.) mancher edler Familien. Vgl. Frau Holle.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 2. Altenburg 1857, S. 588.




Berchta (Perachta, die Prächtige, Glänzende, davon das spätere Bertha), sonst im deutschen Volksglauben eine wunderbare Frau, die besonders auf die Spinnerinen achtet und erzürnt wird, wo sie Unordnung findet; dasselbe Wesen wahrscheinlich wie Frau Holle. (Scheint in der wälschen Schweiz mit der burgund. Königin Bertha aus dem 10. Jahrh. verwechselt zu sein.)

Quelle:
Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1854, Band 1, S. 488.




Berchta, ein Name und eine Gestalt der germanischen Göttermutter Freia, die auch Frau Gôde, Frau Hera oder Harke, Holda heisst. Als Berchta, d.i. die Glänzende, ahd. Perahta, von peraht glänzend, erscheint sie in Öesterreich, Baiern, Schwaben, im Elsass, in der Schweiz, Thüringen, Franken und Tirol. Ihre Gestalt ging von der Wolkenfrau aus, meist glaubte man, sie trage Kuhgestalt, daher sie in Baiern noch immer in eine Kuhhaut gekleidet erscheint. Sie zieht an der Spitze des wilden Heeres, erscheint um Weihnachten als eine Frau mit zottigen Haaren, um die Spinnerinnen zu beaufsichtigen, namentlich am letzten Tage des Jahres, wo ihr zu Ehren Fische und Klösse gegessen werden und alles abgesponnen sein muss. Findet sie die Arbeit der Spinnerinnen nicht in gehöriger Ordnung, so besudelt sie den Rocken. Den Hauptbestandteil im Heere der Berchta bilden die Seelen der Ungebornen,[67] d.i. der ungetauft verstorbenen Kinder. Mit diesen, in Thüringen Heimchen genannt, sorgt sie für die Fruchtbarkeit der Äcker, zieht mit ihnen von Land zu Land und setzt mit ihnen über Ströme. Am heiligen Dreikönigstag lässt man ihr und ihren Kindern etwas von der Nachtmahlzeit auf dem Tische stehen. Ihr Tag ist bald der 30. Dezember, bald der 2. oder 6. Januar. Er verlangt eine stehende Festspeise. Berchta ist auch die Todesgöttin. Seit alter Zeit waren irdische Nachbildungen ihrer Umzüge in Gebrauch, wobei sie entweder als eine grosse Frau mit langem Haare von Flachs und weit herabwallendem weissem Kleide vorgestellt wurde, oder als eine furchtbare Göttin, als wilde Berchtel, mit wild zerzausten Haaren. In der fränkischen Sage ist Berchta als Ahnmutter der Menschheit oder des königlichen Geschlechtes aufgefasst gewesen. Das goldene Zeitalter heisst seit Alters bei den Franzosen und Italienern: als Bertha spann. Dieser Mythus hat sich später an Karls des Grossen Mutter Bertrada und an die neuburgundische Königen Bertha geheftet. Auch die weisse Frau oder die weisse Dame, die als Ahnmutter fürstlicher Häuser in ihren Schlössern Glück oder Unglück vorherkündigend umgeht, ist eine Erscheinungsform dieser Göttin. Mannhardt, Götter d. Deutschen und nord. V., S. 288 ff.

Quelle:
Götzinger, E.: Reallexicon der Deutschen Altertümer. Leipzig 1885., S. 66-67.




Berchta, mythisches Wesen des deutschen Volksglaubens, deckt sich vielfach mit Frau Holle oder der Weißen Frau. In Salzburg und Tirol findet Anfang Januar ihr zu Ehren das Berchtenlaufen statt.

Quelle:
Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 1. Leipzig 1911., S. 183.