Edda

Sammlung germanischer Götterdichtungen, Spruchweisheiten und Heldenlieder, auch schon mal als die "Bibel der Germanen" bezeichnet.

Von der Edda gibt es zwei Übersetzungen, eine von Karl Simrock (1851) und die andere von Felix Genzmer, der bis zu seinem Tode im Jahr 1959 an der Übersetzung gearbeitet hat.

Cyberelfe



Edda (Mythologie). Das Haupt- und Quellenwerk über skandinavisches Mythenthum, von Manchen überschätzt, von Andern nicht genug gewürdigt, lange unbekannt geblieben, endlich erst im siebzehnten Jahrhundert in alten Handschriften aufgefunden und durch eifrige Forschung und Sichtung der gelehrten Welt überliefert. Es gibt eine ältere Edda, welche poetisch, in nordischen Stabreimen, und eine jüngere, welche in Prosa abgefaßt ist. Ihr Inhalt besteht 1) aus der Voluspa, Vauluspä, dichterischen Weissagungen der Vole (Prophetin) vom Anbeginn bis zum Ende der Welt; 2) aus der Havam al, der Sittenlehre Odin's, und 3) aus vielen Dämosagen, welche eben die Mythen der Nordlandsgötter enthalten. Dunkel ist die Voluspa, sinnreich sind die Spruchlehren der Hava-mal, und reich an Poesie die Dämosagen, überhaupt aber sind die Bücher der Edda ein Schatz für Mythologie und Dichtkunst, da uns aus ihr eine ausgebildete Götterwelt entgegen tritt, die an schönen und erhabenen Gestalten so reich ist, und an sittlicher Hoheit die griechischen Götterfabeln weit überragt.

Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 3. [o.O.] 1835, S. 261.




Edda (d.h. Urgroßmutter), Sammlung altnord. Lieder u. Sagen, das bedeutendste Ueberbleibsel altgermanischen Lebens und Dichtens, aus Island stammend. Die ältere E. (Sämundische, nach Sämund Sigfusson, gest. 1133), enthält mit geringer Ausnahme nur poet. Stücke, Götter- und Heldensagen aus dem 6, 7. und 8. Jahrh., in ihren Urbestandtheilen aus unbestimmbarer Vorzeit, in der ältesten nord. Sprache und alliterirend. Die älteste Handschrift wurde 1643 aufgefunden, seitdem ist sie öfters herausgegeben und commentirt worden (von der Aerna-Magnäanischen Commission, Kopenhagen 1787–1828; von Munch, Christiania 1847), übersetzt von Simrock, Stuttg. 1851. Die jüngere E., von Snorre Sturleson, gest. 1241, gesammelt, besteht aus prosaischen Stücken. mytholog. Erzählungen, Erklärungen, Metrik etc.; herausgegeben von Rask, Stockholm 1818; Sveinbjörn Egilssohn, Reykjavik 1848 und 1849; den mytholog. Theil hat Simrock übersetzt und seiner poet. E.übersetzung beigegeben.

Quelle:
Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1854, Band 2, S. 494-495.




Edda (altnord., d.i. Urgroßmutter), Sammlung von Religions-, mythologischen u. heldensagischen Schriften Skandinaviens. Es gibt eine doppelte: I. Ältere (Poetische, Lieder-) E., auch Sämundr-E., nach dem isländischen Priester Sämundr hinn Frodi (Sämund d. Weisen, 1056–1133), der sie gesammelt haben soll, genannt, Die einzelnen Stücke sind alltterirende lieder u. nur[470] wenige prosaische Bruchstücke darunter. Dem Inhalt zerfallen sie nach Einigen in 2, nämlich einen mythologischen u. epischen, nach Audern in folgende 3 Theile: A) Erster Theil: Göttergeschichten en (Asenlehre) erzählen folgende 13, in den Handschriften verschieden geordnete Lieder: a) Vasfthrudnis-Mâl, erzählt die Reise Odins unter Gangreds Gestalt zu dem Riesen Vafthrudnir, der für den Weisesten gehalten wurde, u. Beider Wettstreit in der Religionsweisheit; b) Grimnis-Mâl, erzählt wie Odin als Grimnir bei dem König Geiröddr den Zustand des Himmels, der Erde u. sein eigenes Wesen offenbart; c) För Skirnis (Skirners Fahrt), erzählt wie Skirner, Freys Diener, für seinen Gebieter um Gardr freit; d) Harbarz-Lioth (Harbards Lied), erzählt wie Thor auf seiner Reise aus Osten zu einem Überfahrtsplatz kommend, sich mit dem Fährmann Harbard streitet, der ihn doch nicht übersetzt; e) Hymis-Quida, enthält die Sage vom Riesen Hymir, welchem Thor u. Tyr den Kessel abgewannen, worin Äger das Bier für die Götter braute; f) Ägis-Drecka (der Trunk bei Äger), od. Loka-Senna (Lokes Streit), od. Loka-Glepha (Lokas Biß), erzählt wie Loke bei Ager über Tisch die Asen lästerte (s. Ägir u. Loke); g) Thrms-Quida od. Hamarsheimt (die Wiedererlangung des Hammers), erzählt wie Thor u. Loke dem Riesen Hymir den Hammer Thors, welchen dieser entwendet hatte, wieder nehmen; h) Hrafngaldr Odins (Rabenruf Odins) od. Forspialls-Mâl (d.i. Einleitungslied, weil es einen Götterrath einleitet), enthält die Ahnungen der Asen von Baldurs Tode; nach Einigen Einleitung zur Völuspa, nach Anderen zur i) Vegtams-Quida (Wanderers Lied), worin erzählt wird, wie Odin als Vegtamr in der Unterwelt die Wole zur Weihsage von Baldurs Tod nöthigt (übersetzt in Gräters Bragur); k) Alvis-Mâl (des Allwissenden Lied), handelt von Synonymen der himmlischen, irdischen u. unterirdischen Wesen in der Dichtersprache, deren Erklärung einem um Thors Tochter freienden Zwerg in den Mund gelegt wird, die dieser, von Thor examinirt, gibt, aber unter der Prüfung ist es Tag geworden u. der Zwerg muß unverrichteter Sache fliehen; l) Fiölsviuns-Mâl(Vielwissers Lied), erzählt wie Svipdagr vor seiner Vermählung mit Menglöth auf Abenteuer auszieht u. nach seiner Rückkehr, um Gesinnung u. Treue der Braut zu erforschen, sich verstellend mit Fiölsvithr, dem Wächter der Burg Mengloths, eine lange Unterredung hält u. demselben viele Räthselfragen vorlegt, welche dieser schnell beantwortet; dann gibt sich Svipdagr zu erkennen u. wird freudig von Menglöth aufgenommen; m) Hyndlu-Lioth od. Völu-spa hinn skamma (die kürzere Völuspa), erzählt wie die Riesin u. Zauberin Hyndla, um den Erbschaftsstreit zwischen Agantyr u. Ottar zu schlichten, die Abstammung der Helden von den Göttern erzählt; als Anhang steht noch hier: n) Solar-Lioth (Sonnenlied), worin ein gestorbener Vater seinem Sohn im Traum erscheint u. denselben von dem Zustand nach dem Tode unterrichtet u. ihn des Todes stets zu gedenken heißt; den Namen hat es daher, weil in demselben nach Sonnen, statt nach Tagen, gezählt wird; es ist von einem christlichen Dichter. B) Zweiter Theil: Heldenlieder, deren Inhalt dem des deutschen Heldengedichts gleicht, u. bes. Sigurds Ahnen, Thaten u. Tod, so wie den Untergang der Helden besingt; es sind folgende 22: a) Völundr-Quida, die Sage von Völundr, s.d.; b)–d) Quida-Heege, 1 von Helge dem Haddinger Helden u. 2 von Helge dem Hundingstödter, s.u. Helge; e) Sinfiötla-Lok (Sinfiötlis Ende), ein prosaisches Fragment, erzählt Sinfiötlis Ende; f)-h) Quida Sigurdar Fafnisbana, 2 Lieder, handeln von Sigurd dem Fafnistödter; i) Quida Brynhildar Budladollar I., erstes Lied von Brynhildur (s.d.), der Tochter Budlis; k) Quida Sigurdar Fafnisbana, das 3. Lied von Sigurd, s. ob. f); l) Quida Brynhildar II., 2. Lied von Brynhildur, nur Fragment; in den Brynhildliedern wechseln prosaische u. poetische Stellen; m) Brynhildar Helreid (Brynhildurs Ritt nach Hel), enthält das Gespräch Brynhilds mit einem Riesenweibe auf ihrem Ritte nach der Unterwelt, worin sie ihre Lebensgeschichte kurz berührt; u) Quida Godrunar Ginkadottar I., 1. Lied von Gudrun, der Tochter Giukis; o) Drap Niflunga, der Nibelungen Tod, ein prosaisches Bruchstück, erzählt den Untergang der Nibelungen; p) u. q) das 2. u. 3. Lied von Gudrun; r) Oddrunargratr, Oddruns Wehklage, s.u. Oddrun; s) u. t) Atlamal u. Atlaquida i grönlensk, grönländisches Lied u. grönländischer Gesang von Atli, s.d.; u) Hamdis-Mâl, erzählt wie Hamdir (s.d.) u. Saurli ihren Bruder Erpr erschlagen; v) Gudrunar-Hvöt, Gudruns (s.d.) Wehklage um die Ermordung der Ihrigen; w) Grougaldr, Groas Weihsage, wo der Sohn der Zauberin Groa seine Mutter aus dem Grabe ruft, daß sie ihn lehre, wie er allen Gefahren entgehe; x) Gunars-Slagr (Gunnars Harfenschlag), in welchem erzählt wird, wie die gebundene Gunnar (s.d.) die Harfe mit den Füßen spielend, die Schlangen von sich gescheucht. C) Dritter Theil: enthält eigentliche Glaubens- u. Mysterienlehre: a) Völu-spa (Vaulu-spa), d.i. Weihsage der Wole, enthält die Grundzüge der ganzen altnordischen Religion von der Schöpfung bis zum Untergange (herausgeg. von Rosen, Kopenh. 1665; von Bartholin, ebd. 1667; von Ettmüller mit Übersetzung, Lpz. 1830); b) Hava-Mâl, d.i. die Sprüche Havis (des Erhabenen, Beiname Odins) od. Hohes Lied, Odins Sittenlehre in Sittensprüchen u. Sagen; Fortsetzungen dazu sind das Lothfasins-Mâl, Klugheitslehren für angehende Jünger u. eine Runen- od. Zauberlehre; c) Rigs-Mâl, worin erzählt wird, wie der Ase Rigr (od. Heimdall als Rigr), Vater der 3 Stände, der Knechte, Freien u. Edeln, wird; Einige halten es für unecht, Andere rechnen es wenigstens nicht zu den eigentlichen Eddaliedern, sondern nehmen es als Beilage od. Anhang zu denselben (deutsch von Gräter, Lyrische Gedichte 1809). Die ganze ältere E. wurde aufgefunden in Island vom Bischof Bryngolf Sveinsson 1643, herausg. als Edda Sämundar hinns froda, Kopenh. 1787–1828, 3 Thle., von Rask, Stockh. 1818, von Munch, Christ. 1847, schwedisch von Afzelius, ebd. 1818; dänisch von Finn Magnusen, Kopenh. 1821–23, 4 Bde.; deutsch von Schimmelmann, Stett. 1777, von Studach, Nürnb. 1829, von Simrock, Stuttg. 1851, 2. Aufl. 1855. Einzelne in Herders Volksliedern, von W.[471] u. I. Grimm, Berl. 1815; die von den Nibelungen, von von der Hagen, Bresl. 1814.

II. Die Jüngere od. Prosaische Edda, auch Snorrische Edda, nach ihrem Verfasser Snorre Sturleson (1178–1241) genannt, welche eine Erzählung der Göttersagen der älteren E., aus welcher auch Strophen eingeflochten sind, u. Erklärungen der Bilder u. Versarten der alten Dichtersprache enthält; bestimmt war sie für den Unterricht junger Skalden, u. man sieht aus ihr, daß die Dichtkunst von den Skandinaviern zuletzt als gelehrte Kunst geübt wurde; der Umfang dieser E. ist verschieden; Rask hat folgende Theile u. Ordnung angenommen: A) die eigentliche Snorrische Edda; besteht aus: a) dem Formâli, dem Vorworte; b) Gylfaginniug (Gylfes Täuschungen), s.u. Gylfe, u. c) Bragarädur (Brages Erzählungen), welche in 78 Dämisagen (Beispielsreden) den mythologischen u. epischen Theil der älteren Edda enthalten; d) Eptirmâli, Nachwort. B) Die Skalda od. Skaldskaparmâl(Dichtkunst, Poetik), zerfällt in: a) Kenningar, poetische Umschreibungen, Metaphern, enthalten Beispiele aus der älteren E.; b) Okend heiti (unbekannte Namen der Dichtkunst); c) Fornöfn (vormenschliche Namen), welche ein Verzeichniß dichterischer Namen von Göttern u. Gegenständen aller Art enthalten; d) Bragarhättir, eine Poetik. C) Malslistarrit, skaldische Buchstabenlehre u. Vergleich mit der lateinischen, ein Elementarbuch für angehende Dichter, besteht aus: a) Latinu Stafrofid, lateinische Buchstabenlehre; b) Malslistarrinar grundvöllr, Grundsätze der Wohlredenheit, nordische Laut- u. Sprachlehre; c) Figurur i räduni, Redefiguren, Erklärung grammatischer u. rhetorischer Kunstwörter. Die jüngere E. ist ebenfalls in Island aufgefunden worden u. zwar 1628 von Arngrim Jonsson. Ausgaben von Resenius, Kopenh. 1665, von Rask, Stockh. 1818, Kopenh. 1848, Sveinbjörn Egilsson, Reikjavik 1848 f., dänisch von Nyerup, Kopenh. 1808, deutsch von Rühs, Berl. 1812, von Majer, Leipz. 1818. Nicht zu verwechseln mit den Eddaliedern sind die Sagas, z.B. Blomsturvala-Saga, Nials-Saga etc., s.u. Saga.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 5. Altenburg 1858, S. 469-471.




Edda (d.h. Poetik), Name zweier Werke der isländ. Literatur. Die jüngere oder Snorra-E. (zusammengestellt von Snorre Sturluson zwischen 1220 und 1230) ist ein Lehrbuch für junge Skalden, enthält eine Darstellung der nordischen Mythologie, eine Aufzählung der Umschreibungen und poet. Ausdrücke (Skaldskaparmál) und ein Gedicht Snorre Sturlusons auf zwei norweg. Fürsten (das Háttatal, »Aufzählung der Versarten«). Gesamtausg. 1848-87 fg. (3 Bde.). – Die sog. ältere oder Sœmundar-E., schlechthin Eddalieder genannt, fälschlich dem Sœmund zugeschrieben und irrtümlich für die Quelle der jüngern E. gehalten, ist eine zwischen 1240 und 1250 entstandene Sammlung von etwa 30 Liedern aus dem 9. bis 12. Jahrh., deren Inhalt teils der nordischen Mythologie, teils der Heldensage angehört. – Ausgabe von Detter und Heinzel (1903), deutsch von Gering (1892).

Quelle:
Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 1. Leipzig 1911., S. 479.