Fata Morgana

Fata Morgana, Fee Morgana, nennen die Italiener die wunderbare Lufterscheinung, welche man im Deutschen Luftspiegelung nennt. Sie zeigt sich vorzugsweise in der Meerenge von Messina sehr auffallend und deutlich, und hat dort unter dem völlig kenntnisslosen Volk zu einer Menge sonderbarer Sagen Veranlassung gegeben. Es soll am Aetna ein uralter Einsiedler gewohnt haben, welcher durch lange fortgesetzte Beobachtungen auf die künftigen Erscheinungen schliessen gelernt habe, und in Folge dessen Prophezeihungen gab; ihm hatte sich die Fee Morgana anvertraut, und ihre Schlösser, Paläste, Gärten und Schiffe, ihre Feste, Zaubereien und bildlichen Verkündigungen der Zukunft waren es, welche derjenige sich über dem Meere erheben sah, der den Einsiedler um sein Orakel befragte. F. M. wohnt in crystallenem Palaste, in der Tiefe des grünen Meeres, und erhebt sich um die Zeit des Sonnenunterganges mit ihren Gespielinnen aus demselben in hundert bunten Gestalten, stets wechselnd mit den Formen, doch stets sinnig und neu, und niemals auf gleiche Weise wiederkehrend. Bezaubernde Töne, begleitet von schwellenden Klängen entfernter Hörner, hört der Beglückte, dem solch ein Anblick wird; doch wer die Fee selbst in ihrer Schönheit geschaut hat, wird von unbezwinglicher Sehnsucht nach ihr fortgezogen, und endet sein Leben im Meere. Der Name Morgana ist bretonisch und heisst Meerfrau.

Quelle:
Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie. Stuttgart 1874, S. 201.







Fata Morgāna (ital., franz. Fée Morgain, mittelhochd. feimorgân, fâmorgân), in der bretonischen Sage die zauberkundige Stiefschwester des Königs Artur, Lancelots verschmähte Geliebte, eine Fee, die ihre Macht besonders in Luftspiegelungen zeigte, daher auch Bezeichnung für Luftspiegelung selbst, wie sie namentlich in der Meerenge von Messina sehr auffallend zutage tritt. Die Sage läßt dort die F. im kristallenen Palast in der Tiefe des Meeres wohnen, zurzeit des Sonnenunterganges mit ihren Gespielinnen in hundert bunten Gestalten herauskommen u. dgl.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 6. Leipzig 1906, S. 350.