Tafelrunde

Tafelrunde, nach der Sage eine runde Tafel, Von dem Zauberer Merlin für den britischen König Uther Pendragon gefertigt. Anfangs stand die Tafel zu Cardeul in Wales; seit Artus' Vermählung mit Genievra wurde sie durch Zauberei nach Kaerlleon, dem Sitze Artus', verrückt; nach Artus' Tod verschwand sie. Von ihr erhielt ein, von Uther auf Merlins Rath zu Cardeul gegründeter u. nachher vom König Artus verherrlichter Verein von zwölf Rittern seinen Namen, dessen Zweck war Frauen zu schützen, frevelnde Helden zu demüthigen, Verzauberte zu erlösen, Riesen u. Zwerge zu bändigen; als Hüter des Heiligen Gral werden die Ritter der T. erst später genannt. In diesen engen Kreis der Artusritter wurden aus der großen Zahl nur diejenigen gezogen, welche sich durch hohe Geburt, Weisheit, Tapferkeit, Frömmigkeit u. Treue gegen den König ausgezeichnet hatten. Diese Tafel war immer für so viel Ritter, als daran zu sitzen berechtigt waren, groß genug; wer daran zu sitzen würdig war, dessen Name zeigte sich in goldner Schrift auf seinem Stuhl; der Name verschwand aber wieder, wenn der Ritter starb od. sich durch Verletzung der Ordensgesetze der Würde verlustig machte. Die T. hatte ihre eigenen Annalisten (Sires-clercs), welche über die Thaten u. Abenteuer der Ritter bei den Versuchen den Heiligen Oral zu finden Protokoll führten; der Oberste unter ihnen, Kanzler, war Arrodian von Köln, u. der Roman vom König Artus u. seiner T. soll dessen Chronik sein. Die Sagen von den Rittern der Tafelrunde wurden seit dem 12. Jahrh. in Nordfrankreich bearbeitet u. gingen von da alsbald auch nach Deutschland über; die in einzelnen Gedichten bes. besungenen Ritter der Tafelrunde sind Parcival (Peredur), Lohengrin, Tristan, Iwein, Erec, Gawain, Wigalois, Wigamur, Gauriel u. Lanzelot (s.d. a).

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 17. Altenburg 1863, S. 199.




Tafelrunde. So hieß eine Genossenschaft von vierzig auserwählten heldenmüthigen Rittern unter dem Vorsitze des halbmythischen Königs Artus oder Arthur, der in England regierte. Er hatte die größten Abenteuer bestanden, die herrlichsten Siege erfochten, und sich ein Heroenthum errungen, das seinen Namen weit und breit geehrt und gefürchtet machte. Nächst England hatte er sich Schottland und Hibernien unterworfen, Dänemark, Norwegen-Belgien und Gallien sich zinsbar gemacht, glücklich gegen Römer und Hispanier gestritten und genoß nun in Ruhe sein glorreiches Glück. Gemahlin war ihm die überausschöne, aber herrische, stolze, leidenschaftliche und nichts weniger als treue Ginevra, seine Schwester war die Fee Morgane, und sein Freund und Waffengefährte der Zauberer Merlin. Auf den Rath des Letztern wurde die Tafelrunde gegründet, und die berühmtesten Helden jener mythischen Zeit, deren Namen noch in altenglischen und altschottischen Balladen, wie in deutschen Epopöen fortblühen, z. B. Tristan, Percifal, Gawein, Lancelot vom See, und viele Andere gehörten dem mächtigen Ritterbunde an. Das Schiboleth des Bundes war eine große runde Marmortafel, an welcher alle Vierzig Raum hatten, die auf prangenden Marmorfesseln saßen. Jeder Stuhl enthielt den Namen seines Besitzers in leuchtender Goldschrift, und wenn ein Ritter starb, oder im Kampfe blieb, erlosch durch die Zauberkraft Merlin's sein Name, und der Name dessen trat an seine Stelle, welcher am würdigsten war, die entstandene Lücke auszufüllen. Man sagt, daß einst ein Ritter so kühn war, sich eines erledigten Sessels bedienen zu wollen, ohne daß er dazu berufen gewesen. Da versank er alsbald sammt dem Stuhl unter donnerähnlichem Getön, ein gellender Schrei erscholl und nach einer Weile stieg der Stuhl wieder aus der Tiefe empor, mit den Resten des Verwegenen, die nur aus einem glimmenden Aschenhäufchen und einigen glühenden Knochenfragmenten bestanden. Vielfach ist die Tafelrunde in alten und neuen Dichterwerken gefeiert oder doch erwähnt worden. Sie bildet, engverschwistert mit dem Namen Arthur's, einen eignen, großen und reizenden Sagenkreis. Vorzügliche Erwähnung, wie Empfehlung verdienen zwei Dichtungen neuerer Zeit aus diesem Sagenkreise: Immermann's Merlin und von Halem's Griseldis.

–ch–
Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 10. [o.O.] 1838, S. 2-3.




Tafelrunde wird die Vereinigung der ausgezeichnetsten Ritter genannt, welche der britische König Arthur oder Artus (516–542) in seiner Residenz Carleol (dem jetzigen Carlisle) gestiftet haben soll. Der berühmte Zauberer Merlin soll sie angeordnet haben. Die Ritter kamen an einer runden Tafel zum festlichen Mahle zusammen und ein Platz an dieser Tafel galt für die höchste Auszeichnung, die ein Ritter erlangen konnte, denn nur dem in allen ritterlichen Tugenden als vollkommen Anerkannten wurde derselbe gewährt. Es wird auch erzählt, der Vater des Arthur, König Uther, habe auf Merlin's Rath die Tafelrunde gestiftet und zwar seien an ihr 50 Plätze gewesen; den funfzigsten Platze habe Merlin offen zu lassen geboten für einen noch Ungeborenen, als welcher später Arthur, von Merlin zum Meister aller Rittertugend erzogen, auftrat. Wie Arthur unter den Rittern der Tafelrunde, so leuchtete seine Gemahlin Ginevra unter den Frauen an Arthur's Hofe hervor. Zum Nachfolger Arthur's war dessen Neffe Gawain bestimmt, aber Mordred, Arthur's unechter Sohn, verband sich mit allen von der Tafelrunde ausgeschlossenen Rittern und lieferte den Rittern der Tafelrunde eine Schlacht, in welcher dieselben sämmtlich sowie auch Arthur und Mordred selbst umkamen. Aus den Volksliedern des celtischen Stammes in Wales und Bretagne gingen die Sagen von der Tafelrunde in die ritterliche nordfranz. Poesie und von dieser in die deutsche Dichtung über; die Thaten der einzelnen Helden der Tafelrunde, die Beschreibung der Tafelrunde selbst wurden Gegenstand vieler Gedichte. Später wurden die Sagen von der Tafelrunde mit denen vom heiligen Gral in Verbindung gesetzt. Der heilige Gral (entstanden aus sasguis realis, d.h. das wahre Blut) war die aus einem leuchtenden Edelsteine gefertigte Schale, deren sich Jesus beim heiligen Abendmahl bediente, und in welcher Joseph von Arimathia nachher das Blut aufgefangen hatte, welches dem Heiland bei der Kreuzigung aus der Seite floß. Joseph soll den Gral nach Britannien gebracht haben und von dort soll er auf den Berg Montsalvatsch in Spanien gekommen sein, wo ihm Titurel einen herrlichen Tempel baute, den die Ritterschaft der Templeisen schirmte. Es wurde dann als Zweck der Tafelrunde angesehen, den heil. Gral, welcher verloren gegangen war, wieder aufzusuchen. Der ritterliche Dichter Wolfram v. Eschenbach im Anfang des 13. Jahrh. hat in den beiden herrlichen Heldengedichten »Parcival« und »Titurel« die Sage vom heil. Gral in ihrer tiefen Bedeutung behandelt, nach welcher sie neben der weltlichen die religiöse Seite des Ritterthums charakterisirt.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1841., S. 353.