Gnomen

Gnomen. Mit diesem Namen bezeichnet die aus dem Orient uns unstreitig überkommene Lehre von den Elementargeister, die vierte Klasse derselben, die der Erdgeister, während Luft-, Wasser- und Feuergeister die Benennungen Sylphen, Undinen und Salamander führen. Wie die Phantasie den ebengenannten meist eine schone und ideale Bildung und ätherische Körperform lieh, so erschöpfte sie sich, die Gnomen in abschreckender Häßlichkeit darzustellen, wenn man ihnen auch die Macht zuschrieb, ebenfalls in schöner anziehender Hülle erscheinen zu können. Der Charakter dieser Erdgeister wird insgemein als tückisch, den Menschen feindlich, doch aber bisweilen auch als gut und hilfreich dargestellt. Sie sind nichts Anderes als die Elfen und Zwerge des Nordens und der slavischen Mythen, die Nissen in Schweden und Dänemark, die Berggeister und Kobolde, Tückebolde und sonstige Hausgeister, die im Volksglauben von ganz Deutschland spuken (s. Kobolde), und gleichen in mancher Eigenschaft sogar den römischen Lemuren und Larven.

–ch–
Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 4. [o.O.] 1835, S. 451-452.




Gnomen, Erd- oder Berggeister, in der neuern Dämonologie eine der vier Klassen der Elementargeister (s. d.). Sie bewachen die unterirdischen Schätze im Schoße der Erde und können die verschiedensten Gestalten annehmen. Die weiblichen (Gnomiden) werden gewöhnlich als schön, die männlichen dagegen als häßlich vorgestellt. Obgleich sie die Menschen zu necken pflegen, so tun sie ihnen doch mehr Gutes als Böses und letzteres eigentlich nur, wenn sie gereizt werden. Der Name ist dem Französischen entlehnt und seiner Etymologie nach dunkel.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 8. Leipzig 1907, S. 66.




Gnomen, griech.-dtsch., weibl. Gnomiden, heißen die Erdgeister und Kobolde, welche im Innern der Erde und vornämlich der Berge ihr geheimnißvolles Wesen treiben u. bald gut bald bös, bald schön bald häßlich, bald als Zwerge, bald als Riesen die Menschen erfreuen und unterstützen oder ängstigen. Der Glaube an G. ist uralt und nichts weniger als auf die germanischen Völker beschränkt. Aber in Deutschland mag zu seiner Erhaltung der früh betriebene Bergbau viel beigetragen haben u. sind die G. der Gegenstand mancher dichterisch schönen und sinnvollen Volkssage geworden. Die neueste Zeit rief dieselben auch auf das Theater, um in Opern u. Singspielen die Hauptrolle zu übernehmen (Berggeist, Alpenkönig, der durch Musäus berühmt gewordene »Rübezahl« des Riesengebirges etc.).

Quelle:
Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1855, Band 3, S. 99.