Kobolde


Kobolde,

1) Hausgeister, den Zwergen u. Elfen ähnlich, mit rothem, spitzigem, unsichtbar machendem Hut u. Meilenstiefeln; wohnten gern in Ställen od. Kellern, auch in Bäumen. Sie zeigten sich freundlich u. zuthätig, bes. in Küche u. Stall, führten, Aufsicht über häusliche Ordnung; faules u. fahrlässiges Gesinde hatte von ihnen viel zu leiden. Dienstboten, welche sich gut mit dem K. standen, setzten ihnen ein besonderes Näpfchen mit Speise bei Seite. Sie führten auch gern lustige Streiche, aus u. drückten ihre Freude an dem Gelingen derselben durch unmäßiges Lachen aus (daher: wie ein K. lachen). Es gab auch K, die unabhängig von den Menschen lebten; wurde ein solcher gelangen, so erkaufte er seine Freiheit durch ein Geschenk, od. durch eine Weissagung, vgl. Kerkopes. Im Mittelalter, wohin sich die Sage von ihnen fortpflanzte, wurden sie oft zu völligen Plagegeistern;

2) nach dem Bergmannsglauben Geister (Gnomen) in zwergartiger Kindergestalt, welche reiche Erzladern verkünden, sich aber auch, wenn sie gestört werden, auf boshafte Weise rächen.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 9. Altenburg 1860, S. 628.




Kobolde. Unter diesem vielbedeutenden Namen begreift der deutsche, slavische und scandinavische Volksaberglaube diesen wunderlichen Proteus, der in tausend Verwandlungen sich zeigt und sich unvertilgbar an dem Gestade des Meeres der Zeit sonnt, eine große Menge Geister und Gespenster. Zum Geschlechte der Kobolde gehören die Berggeister, die neckend und schadenfroh, aber oft auch hilfreich, ihr Wesen in den Bergwerken und Erzgruben treiben; Hausgeister, welche wie Hütchen und Hinzelmann in Schlössern und Burgen, Häusern und Ruinen, umherspuken, poltern, necken und schrecken; Feldgeister, die in Einöden, Felsen und Wäldern sich blicken lassen, als Irrlichter den nächtlichen Wanderer betrügen, als Ungeheuer in Furcht jagen, als klagende und seufzende Jungfrauen auf Erlösung harren, die immer an eine schwere Bedingung geknüpft ist; Wald- und Jagdgeister, welche als wildes oder wüthendes Heer waldüber ziehen, als Moosleute und Holzweibchen aus dem Schooß der Berge an das Licht treten; Wassergeister, die als Nixen Kinder und Erwachsene verlocken und in die Fluth ziehen, und Kielkröpfe oder Wechselbälge in die Wohnungen der Menschen bringen etc. Alles Grauenhafte und Unheimliche, was dem Glauben an Elfen und Gnomen anhängt, namentlich aber die Tücke und Schadenfreude, ist auch den Kobolden eigen. Wie jene sind auch diese jähzornig, rachsüchtig, boshaft und schelmisch, und am Ende macht nur die Benennung, die in verschiedenen Ländern verschieden ist, einen Unterschied. In Norwegen heißen sie Nisser, in Schweden Tomtegubbe (Haukalte), auf den Faröern Niägrujsar, in Schottland Broaines, in England Robin Goodfellow, in Mitteldeutschland Kobolde, Elben (von Elfen), Nixen, Tückebolde, Trallen, in Süddeutschland Pucken (von Puck, dem dienenden Geiste Oberon's) und Wolkerken; ferner Nachtmähren, Schrötel. Zu ihnen gehört die feindlichdämonische Sippschaft der Währwölfe (s. d.), Leichhunde (s. d.), Bieresel u. dgl. Den Kobolden fehlt die ätherische heitere Natur der Elfen, sie neigen sich mehr dem dunkeln Geschlecht der Gnomen zu, und schon der Name Kobold, synonym mit Kobalt, deutet auf ein unterirdisches, verderbliches Wesen hin.

Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 6. [o.O.] 1836, S. 165-166.




Kobolde, Hausgeister. Der Name stammt aus dem Griechischen, wo im Kreis der Gefährten Bacchus' gewisse Schälke und Possenreisser unter dem Namen Kobaloi aufgerührt werden. Seit dem dreizehnten Jahrhundert findet sich das Wort K. in deutschen Schriften, und bezeichnet seitdem jene Classe von Hausgeistern, an die genau genommen alte europäischen Völker in ihrer Kindheit geglaubt haben. Sie werden in zwerghafter Missgestalt gedacht, jedoch in der Regel nicht für böse genommen. Sie können nach Belieben verschiedene Körper annehmen, sich unsichtbar oder sichtbar machen. Gewöhnlich thun sie aus angeborener Gutmüthigkeit den Menschen keinen Schaden, sondern suchen das Haus, zu dem sie gehören, vor Schaden zu schützen, wohlthätig für dasselbe zu wirken; das Höchste, was man von ihnen zu fürchten hat, sind kleine Neckereien, weil sie meistens spasshafter Natur sind; jedoch gereizt, suchen sie sich auf die empfindlichste Art zu rächen. Insbesondere sind die K. auch Berggeister, d.h. Geister der Bergwerke, und Niemand ist von ihrem Dasein gewisser überzeugt, als die Bergleute. Jedes Land übrigens macht sich seine eigenen Vorstellungen von diesen Geistern. So heissen sie in Norwegen unter andern Nisse god Dreng (Nisse, Nils, Nicolaus, der gute Knecht); eben so werden sie in Schweden (auch Tromte gubbe, Hausalter) genannt, und man denkt sie sich als kleine Burschen, welche sich vorzüglich in Ställen aufhalten und zum Gedeihen des Viehs viel beitragen, aber auch mancherlei häusliche Dienste verrichten, wesshalb man sie auch gerne hat und ihnen täglich ein Schüsselchen Milch an einen bestimmten Ort hinsetzt, um sie an das Haus zu fesseln. Auf den Faröern heissen sie Niägrujsar, und man stellt sie sich als glückbringende Dämonen, in Zwerggestalt, mit rothen Lappen auf dem Kopfe vor; auf Seeland in Dänemark hingegen erscheinen sie ganz in der Tracht des Landvolkes, während des Sommers mit einem Hut, im Winter mit einer Pelzmütze sich bedeckend; sie halten sich ebenfalls in den Ställen auf, putzen das Vieh und füttern dasselbe stark auf Kosten der Nachbarn, wofür man ihnen an Festtagen Essen vorsetzt. Schottland kennt sie unter dem Namen Browni, von der braunen Farbe ihrer Kleidung und ihres Körpers. Dort ist ihre Wohnung unter der Thürschwelle des Hauses, mit dessen Herrn sie in gutem Vernehmen stehen. In England nennt man sie Robin good Fellow. Ihr Ansehen ist zottig und wild, sie sind scheu und wohnen gern in entfernten Winkeln, doch suchen sie Nachts den Feuerheerd zur Schlafstelle zu gewinnen, und sind desshalb böse, wenn die Hausfrau sich nach ihrer Meinung zu spät in der Küche beschäftigt. Manche glauben auch, dass sie die Seelen in dem Hause ermordeter Kinder seien, daher sie dieselben häufig in Gestalt weiss oder bunt gekleideter Kinder gesehen zu haben vorgeben, mit einem Messer im Rücken oder der Brust steckend, oder auf sonst eine Weise verstümmelt. Von Mägden, welche sehr begierig waren, ihren dienenden K. (Heinzchen, Kurtchen, Knechtchen etc.) zu sehen, erzählt man, dass sie durch diesen an einen möglichst abgeschiedenen Ort (versteht sich Nachts) bestellt worden sind, mit dem Bedeuten, einen Zuber voll Wasser mitzubringen; auf Befehl des Geistes muss so eine Person in den Spiegel des Wassers hinein sehen, dann erblickt sie auf dem Boden ein nacktes Kind, dem ein Schwert oder ein Messer im Rücken steckt. Wenn die Neugierige erschrickt, springt der K. auf, begiesst sie mit dem Wasser, das sie selbst, mitgebracht, und suchte sie auf solche Weise zu erwecken.

Quelle:
Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie. Stuttgart 1874, S. 299.