Nereus

Nereus, ältester Sohn des Pontos u. der Gäa, freundlicher, wahrhafter u. untrüglicher Meergreis im Ägäischen Meere, mit der Gabe der Weissagung u. Selbstverwandlung in allerlei Gestalten. Er weissagte dem Paris den Untergang Trojas, bes. aber kommt er in der Herculessagevor; auf dem Zuge nach den Gärten der Hesperiden zwang Hercules den von ihm gefangenen u. gefesselten N., ihm zu sagen, wie er die goldenen Äpfel erhalten könnte (vgl. Proteus u. Glaukos). Auf Darstellungen hat er Seepflanzenblätter statt der Haare an Augen, Kinn u. Brust. Seine Gemahlin war Doris, welche ihm 50 Töchter (Nereīden), schöne Nymphen des Meeres, gebar,[790] deren Namen Hesiodos nennt: Ploto, Eukrante, Sao, Amphitrite, Eudora, Thetis, Galene, Glauke, Kymothoe, Spio, Thoe, Halia, Melite, Eulimene, Agaue, Pasithea, Erato, Eunike, Doto, Proto, Pherusa, Dynamene, Nesäa, Aktäa, Protomedea, Doris, Panope, Galatea, Hippothoe, Hipponoe, Kymodoke, Kyme, Eïone, Halimede Glaukonome, Pontoporca, Liagora, Euagora, Laomedea, Polynome, Autonoë, Lysianassa, Euarne, Psamathe, Menippe, Neso, Eupompe, Themisto, Pronoe, Nemertes. Sie wohnten bei ihrem Vater in der Tiefe des Meeres in silberner Grotte, mit Spinnen beschäftigt; aus der Tiefe wurden sie zur Hülfe od. zum Geleite der Schiffer auf die Fläche des Meeres geschickt. Bes. verehrt wurden sie in Häfen u. dargestellt als schöne Jungfrauen reitend auf Delphinen od. im Wagen fahrend von Tritonen gezogen.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 11. Altenburg 1860, S. 789-790.



Nereus, (Mythol.) einer der Götter des Meers bei den Griechen und Römern, welcher jedoch unter dem Neptun stand. Er war ein Sohn des Oceanus und der Tethys und Gemahl der Doris. Er hatte die Gabe zu weißagen; doch mußte man ihn, wenn man sein Schicksal von ihm erfahren wollte, erst im Schlafe binden, welches auch Herkules that. Seine Töchter, deren er auf 50 (nach Andern 100) gezeugt haben soll, heißen Nereiden oder Nymphen des Meers, und dürfen nicht mit den Oceaniden verwechselt werden (s. Oceanus). Der obere Theil ihres Körpers wird wie eine Jungfrau, der untere gewöhnlich wie ein Fisch gebildet, und an den Füßen haben sie Schwimmhäute. Unter ihnen ist besonders Thetis, die Mutter des Achilles, berühmt.

Quelle:
Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 3. Amsterdam 1809, S. 244.




Nereus, im griech. Mythus ältester Sohn des Pontos und der Gäa, ein wohlwollender Meergreis, Gemahl der Doris, die ihm 50 Töchter (Nereiden) gebar. Sein Wohnsitz ist vorzugsweise das Ägäische Meer. Seine den Menschen freundlich gesinnten Töchter wohnen bei ihm in der Meerestiefe, kommen aber, von bedrängten Schiffern angerufen, auf die Oberfläche des Meeres empor zur Hilfe. Unter ihnen sind außer Amphitrite, Poseidons Gemahlin, besonders Thetis, die Mutter des Achilleus, und Galateia von der Sage gefeiert worden. Die Kunst stellte N. als Greis dar, mit Zepter, auch wohl Dreizack; auf Vasenbildern erscheint er auch mit dem Unterleib eines Fisches. Die Nereiden werden dargestellt als anmutige Mädchen, in älterer Zeit leicht bekleidet, später meist nackt, auf Delphinen und Tritonen reitend (vgl. Triton, mit Abbild.). Über das sogen. Nereidenmonument von Xanthos in Lykien, ein Heroon des 4. Jahrh. v. Chr., vgl. Michaelis in den »Monumenti dell' Instituto«, Bd. 10, und »Annali dell' Instituto« von 1874 und 1875. Über ihr Fortleben im neugriechischen Volksglauben als Neraiden vgl. B. Schmidt, Das Volksleben der Neugriechen, Bd. 1 (Leipz. 1871).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 14. Leipzig 1908, S. 519.




Nereus (Gr. M.), Sohn des Pontus und der Gäa, ein Meergreis, gleich dem Proteus fähig, sich in jede Gestalt zu verwandeln, vermählte sich mit seiner Schwester Doris, der Tochter des Oceanus, und erzeugte mit ihr fünfzig Töchter, die ⇒ Nereïden. Ein grosser Wahrsager, verkündete er, nachdem es dem Hercules gelungen, ihn zu fesseln, demselben die Mittel, zu den Hesperiden zu gelangen, weissagte auch dem Paris sein Schicksal.

Quelle:
Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie. Stuttgart 1874, S. 346.