Erdweiblein

In dem Küchenfelsen zu Oberbeuren hatten ehemals schöne Erdweiblein ihre Wohnung und Küche, und von der letztern schreibt sich sein Name her. Diese Weiblein lud einst die Frau des Hauses, zu welchem der Felsen gehörte, mit den Worten ein:

»Kommet her, ihr Armen,
Esset auch von dem Warmen!«

worauf sie zu ihr gingen und sich den vorgesetzten frischen Zwiebelkuchen trefflich schmecken ließen. Von nun an standen sie mit den Leuten dieses Hauses in freundschaftlichem Verkehre. Aus dem Teig, welchen dieselben Abends eingelegt, bucken sie ihnen in der Nacht das Brod, und zur Arbeit auf dem benachbarten Acker brachten sie ihnen aus ihrer eigenen Küche Essen. Die silbernen Geschirre, worin dieses enthalten war, sowie die dazu gehörenden Silberbestecke mußten jedoch von den Leuten wieder auf den Acker gestellt werden, von wo die Weiblein sie dann zurückholten.

Einmal aber behielt der Knecht eine der Gabeln für sich zurück, und auf dieses ließen die Weiblein sich nicht mehr blicken; obwohl man den Rauch ihrer Küche noch manchmal aufsteigen sah.

Nach der Aussage eines verfahrenen Schülers liegen in dem Felsen große Reichthümer verschlossen, und er versicherte, denselben mit drei Rosmarinstengeln öffnen zu können.

Abweichend erzählen Andere so:

Um sich gegen die Erdweiblein erkenntlich zu zeigen, ließen die Leute des Hauses für sie neue Hemden machen, und legten dieselben Abends auf die Backmulde. Als die Weiblein der Hemden ansichtig wurden, gingen sie, ohne sie zu berühren, sogleich hinweg und ließen nie sich wiedersehen.

Quelle:
Bernhard Baader: Neugesammelte Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden. Band 2, Karlsruhe 1859, S. 65-67.

Quelle:
http://www.zeno.org

 
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