Walriderske

Mündlich aus Werlte

War einmal ein Knecht, den plagte die Walriderske alle Nacht und er fiel täglich mehr und mehr ab; da sagte ihm endlich die Großmagd, er solle, wenn sie wiederkäme, sagen: »Ei, so wünscht' ich, daß du die ganze Nacht auf einem Besenstiel reiten müßtest!« Als sie nun Nachts kam, sagte er aber: »Ei, so wünscht' ich, daß du die ganze Nacht auf dem größten Mastbaum in der See reiten müßtest!« und da war sie fort; fortan aber hat die Großmagd, die war selber die Mahr gewesen, allnächtlich auf einem Mastbaum in der See reiten müßen.


Mündlich aus Basum

In Basum haben einmal Soldaten bei einem Bauer im Quartier gelegen, von denen war einer ein Walrider, und hatte es der Magd des Bauern angethan, daß sie nicht von ihm laßen konnte, so daß sie, als die Soldaten fortmarschirt waren, plötzlich durch die Luft auf und davon flog. Als das aber der Bauer sah, spannte er sogleich sein Pferd vom Wagen, setzte sich drauf und jagte hinterher, und als er sie eingeholt hatte und in der Luft über sich sah, rief er ihr zu, sie solle ihre Schürze kreuzweis über den Kopf werfen. Das that sie sogleich und fiel alsobald herab; die Schürze aber flog dem Soldaten nach und fiel, als er in der nächsten Rast eben bei Tisch saß, vor ihm hin, was er nachher nach Basum geschrieben.


Mündlich aus Ueffeln

Wenn die Walrêersk in ein Haus kommt, so kann sie nicht eher fort, als sie etwas quades angethan. So kömmt auch einmal eine zu einem Bauer nach Ueffeln, die hatte Butter und Eier zu verkaufen und quälte ihn so lange, bis er ihr endlich etwas abkaufte. Kaum war sie fort, so kam sein Vater und sagte, das Pferd im Stalle liege im Verrecken; der Bauer wollte es kaum glauben und ging in den Stall, aber da sah er, daß es wahr sei, und wußte nun bald Rath, denn das hatte offenbar die Frau, die er schon längst im Verdacht hatte, daß sie ein Walrêerske sei, gethan. Er nahm deshalb eins von den gekauften Eiern, schlug es dem Pferde in die Krippe unter's Futter, daß es davon fraß, und augenblicklich war es wieder gesund.


Quelle:
Adalbert Kuhn / W. Schwartz: Norddeutsche Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Pommern, der Mark, Sachsen, Thüringen, Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Westfalen. Leipzig 1848, S. 309-311.

 
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