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Frau Hulle mit den Goldknotten

Mündlich aus Phulsborn bei Apolda

In alter Zeit wußte man noch gar viel von Frau Hulle zu erzählen und namentlich wie sie bald hier bald da die Leute reich gemacht. So geht auch einmal ein Mann noch spät Abends über einen Berg, da sieht er Frau Hulle sitzen, die ist eifrig beschäftigt Flachsknotten abzustreifen und hat schon einen ganzen Berg vor sich liegen. Da bietet ihr der Mann guten Abend und sie dankt ihm schön und sagt, er solle sich die Knotten einstecken und mit nach Haus nehmen. Der Mann dankt für den guten Willen und sagt, davon hätte er selbst zu Hause genug, damit wollte er sich nicht beschweren, und geht fort. Als er eine Strecke weiter gegangen ist, fängt's ihn an gewaltig im Schuh zu drücken, da sieht er nach, hat er große Goldkörner drin; das waren die Flachsknotten, von denen ihm einige in den Schuh gekommen waren.


Mündlich aus Frankenhausen

Gehen einmal Kinder auf den Kyffhäuser, da finden sie Frau Hulle sitzen, die spinnt und hat einen großen Berg Flachsknotten neben sich liegen. Bitten sie dieselbe um einige Flachsknotten und sie erlaubt ihnen auch, daß sie sich die Taschen vollstecken dürfen. Als sie aber wieder nach Haus gehen, sagen einige, was sie doch damit sollen, und werfen sie weg; nur einer behält sie und als er nach Haus kommt, wird ihm die Tasche so schwer, da sind die Flachsknotten Goldstücke geworden.


Mündlich aus Straußberg in der Mark

Eine Frau geht einmal zum Kyffhäuser hinauf, um Reisig zu holen, und das war im April, da sieht sie eine Alte mit einem Stocke dort sitzen, die Baumwollenknötchens sammelte und einen ganzen Berg davon neben sich liegen hatte. Da man diese nun sonst erst im hohen Sommer zu sammeln pflegte, kam es ihr doch etwas sonderbar vor, und sie fragte die Alte, was sie doch damit wolle, sie wären doch jetzt noch nicht brauchbar. Da antwortete ihr die Alte, sie solle sich nur davon mitnehmen, soviel sie wolle, sie würde sie schon brauchen können. Aber die Frau wollt's doch nicht glauben; da schüttete ihr die Alte die ganze Schürze voll und that auch davon in die Küpe. Die Frau ging darauf weiter, um Haselreis zu holen, aber als sie die Schürze aufmacht, hat sie lauter Goldstücke drin und ebenso in der Küpe; da ging sie schnell zurück an die Stelle, wo die Alte geseßen, aber sowohl diese, als der Haufe Baumwollenknötchen waren verschwunden.


Quelle:
Adalbert Kuhn / W. Schwartz: Norddeutsche Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Pommern, der Mark, Sachsen, Thüringen, Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Westfalen. Leipzig 1848, S. 215-217.

 
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