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Die schwarze Frau auf dem Golm

Mündlich aus Swinemünde

Auf dem Golm bei Swinemünde läßt sich alle Johannistag eine schwarze Frau mit einem großen Schlüßelbund sehen, die will erlöst sein. – An diesem Tage kam auch einmal eine arme Frau auf den Berg, die sammelte trockene Buchnüsse, und als sie nach Hause kam, hatte sie die ganze Kiepe voll von Goldstücken.

Ein ander Mal kamen ein Paar Mädchen am Johannistage auf den Berg, und es war grade der Geburtstag der einen. Als sie nun aber oben waren, kam ihnen alles ganz verändert vor, und sie sahen sogar ein Haus stehen, durch dessen Fenster sie einen alten Mann mit langem Barte erblickten, der eifrig mit Geldzählen beschäftigt schien. Als sie ein Paar Schritte weiter gingen, sahen sie in der Ferne eine schwarze Frauengestalt auf sich zukommen, die ihnen freundlich winkte und auf ein Loch im Berge zeigte; erst glaubten sie fast, es sei eine Nachbarin, und gingen näher, aber alsbald erkannten sie ihren Irrthum und wollten umkehren. Da verwandelten sich die Züge der Frau und waren schrecklich anzusehen, sie wuchs gewaltig von der Erde empor, ihr langes, schwarzes Haar flatterte im Winde und nun flog sie gar durch die Luft daher auf sie zu. Da flohen sie eilig von dannen, den steilen Berg hinunter, aber die schwarze Frau brauste stets hinter ihnen her und ließ erst vom Verfolgen ab, als sie unten auf der Wiese ankamen.

Auch einem Manne begegnete die schwarze Frau einst auf dem Golm und winkte ihm, in eine offene Höhle mit hinabzukommen. Da ging er denn einen langen Gang hinunter und kam in ein großes Gewölbe, wo große mit Gold und Silber gefüllte Kisten standen, aus denen er seine Taschen füllte. Darauf winkte sie ihm weiter zu kommen und er folgte, aber plötzlich erfaßte ihn ein gewaltiges Grauen und er floh, da schlug der Berg krachend hinter ihm zusammen; drinnen hörte man aber noch lange ein klägliches Jammergeheul.

Quelle:
Adalbert Kuhn / W. Schwartz: Norddeutsche Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Pommern, der Mark, Sachsen, Thüringen, Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Westfalen. Leipzig 1848, S. 23-24.

 
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