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Das Heinzelmännchen (Nassau)

(S. Kehrein a.a.O. S. 59.)

Zwischen Rennerod und Waldmillen ist rechter Hand von der Chaussee ab ein Hügel, den nennt man den Houp. In diesem ist eine große Höhle und die Sage geht, hier hätte vor uralter Zeit ein Heinzelmännchen drin gewohnt. Das war aber nicht größer denn ein Kind von zwei oder drei Jahren, aber ganz schön anzusehen und so nett angethan wie ein kleiner Prinz. Das Männchen kam aber oft nach Rennerod, jedoch immer nur Abends, und brachte den armen Leuten Brod und Mehl, oft auch Geld, so daß sie sich damit helfen konnten. Aber nur solche arme Leute bekamen etwas, die brav und rechtschaffen waren und fleißig arbeiteten, die faulen erhielten nichts. Wenn aber einer Abends aus dem Wirthshause kam und zu tief ins Glas geguckt hatte, da bekam er auf einmal eine Kopfnuß, daß er zur Erde flog, er wußte nicht wie. Hoffärtige und stolze Jungfern wurden in der Spinnstube oder auf dem Tanzboden auf einmal ganz schwarz gemacht, daß sie sich tüchtig schämen mußten. Wenn aber die Bauern einmal tüchtig logen oder sonst etwas machten, was unrecht war, da bekamen sie etwas auf das Maul, daß ihnen ihr Lebtage das Lachen verging und sie wußten nicht wo es herkam. Aber das Heinzelmännchen konnte sich unsichtbar machen und den Leuten, die nicht recht thaten, einen Schabernack spielen.

Besonders gern hatte der gute Geist, wie die Leute das Heinzelmännchen auch hießen, es mit den jungen Leuten zu thun, welche sich verheirathen wollten. Wenn diese in die Kirche gingen und sich trauen lassen wollten, da bekam ein jedes von den Brautleuten ein kleines Ringelchen vom feinsten Golde. Dies blieb so lange glänzend, als sie hübsch einig mit einander waren, wenn die Eheleute aber uneins wurden, da ward der Ring rostig, und wenn eins dem andern untreu ward, da war auch der Ring fort und man konnte gar nicht sagen, wo er hingekommen war. Das machte aber große Furcht in der Ehe, so daß sich Alle in Acht nahmen, etwas Unrechtes zu thun, damit nur der Ring nicht rostig werden möchte. Auf allen Kindtaufen, Hochzeiten und Kirmessen ward der Ring angesteckt und hatte einer den Ring verloren, da ging er gewiß nicht mehr auf eine Kirmeß oder Tanzplatz, damit es nur Niemand sehen sollte. Das Heinzelmännchen ist indeß im Schwedenkrieg verschwunden und kein Mensch weiß mehr, wo es hingekommen ist.

Quelle:
Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2, Band 2, Glogau 1868/71, S. 723-724.

Quelle:
http://www.zeno.org - Zenodot Verlagsgesellschaft mbH

 
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