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Das Weib des Räubers - Joseph Christian von Zedlitz

Das Weib des Räubers

Die Sonne geht nieder so blutig roth
Als wäre mein Liebster gefangen und todt;
Sie sind hinunter, den Felsensteg,
Sie lauern im Thal, sie lauschen am Weg.

Sie liegen in Graben und Hecken versteckt,
Hinter Klippen und alte Mauern gestreckt;
Und die Schlucht ist besetzt und die Straß' ist umstellt
Und einer dort Wacht auf der Höhe hält.

O, schlafe mein Kindlein, schlaf' ruhig fort,
In der Grotte kühl, an der Quelle dort,
Ich will Dir singen ein Liedlein fein
Von der Elfen nächtlichen Ringelreihn! –

»Ihr Elfen webet« – Ha, horch! ein Schuß! –
Das war der rüst'gen Gesellen Gruß!
Und wen er getroffen, den traf er gut,
Der aufgehoben und sicher ruht! –

»Ihr Elfen webet den Schleier lind –«
Horch, wieder! – und Blitz auf Blitz geschwind!
Im Thale wölkt sich der Pulverdampf;
Warum ist heute so heiß der Kampf?

»Ihr Elfen webet den Schleier lind;
Den Schleier für mein herzliebes Kind! –«
Das war seine Büchs', ich kenn' ihren Knall,
Keine andere dröhnt so donnernden Hall!

Und Schuß auf Schuß – Ha! Reisende nicht,
Das sind die Häscher vom Blutgericht!
Das gilt nicht Beute, nein, wagend jetzt
Wird Leben um Leben zum Kampf gesetzt.

Weh mir, – wie wird mir die Stirne so kalt!
Die Schüsse des Liebsten sie sind verhallt: –
Ich hör' ihn nicht mehr – seine Büchse schweigt!
O, wie mir das Blut so zum Herzen steigt! –

Mir wanken die Knie! o weh, mein Kind!
O, fort von hinnen, geschwind, geschwind! –
Die Sonne geht nieder so blutig roth,
Als läg' mein Liebster erschlagen und todt! –


Joseph Christian von Zedlitz, Gedichte, J. G. Cotta'scher Verlag, Stuttgart, 1859

 
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