Startseite Feen und Elfen Aus dem walisischen Feen- und Geisterland

Aus dem walisischen Feen- und Geisterland

Entstehung der Feen.

In uralten Zeiten lebte eine Frau, die zwanzig Kinder hatte. Da kam eines Tages der Heiland in ihre Wohnung; und die Frau, welche sich schämte daß sie so viele Kinder habe, versteckte die Hälfte derselben. Als nun der Heiland wieder gegangen war, da suchte sie die zehn Kinder, aber sie konnte sie nicht wiederfinden. Die Verstecke waren leer, die Kinder fort und kamen niemals wieder. Denn zur Strafe dafür, daß sie das verbarg, was Gott ihr geschenkt hatte, ward sie desselben beraubt; und von diesen verlorenen Kindern stammen die Feen ab.

Andre jedoch sagen, die Feen seien die Seelen der alten Druiden, welche – zu gut für die Hölle und doch zu sündenhaft für den Himmel, – bis zum jüngsten Gericht unter den Menschen wandeln sollen. Dann aber sind sie erlöst und werden in eine höhere Ordnung des Seins aufgenommen.


Namen, Tracht und Sprache der Feen.

Die Feen heißen in Wales tylwyth têg, die schöne Familie, dynon bach têg, das kleine Feenvolk, bendyth eu mammau, die gesegneten Mütter, ellylon, die Elfen.

Bald tragen sie sich weiß mit wehenden Federn, bald in Scharlach, und tanzen wild durcheinander. In Nordwales tanzen sie in blauen Röckchen und immer im Kreiß, in Cardiganshire trafen sie grüne Kleider, erscheinen aber immer nur im Monat Mai. –

Die Feen reden eine Sprache, welche der griechischen nicht unähnlich ist. Wenn sie Waßer verlangen, so rufen sie: »Udor udorum«, bring Waßer! – Wenn sie Salz haben wollen, so sagen sie: »Halgein udorum!« bring Salz!


Feeninseln.

In einigen Theilen von Pembroke- und Caermarthenshire gibt es Feeninseln, deren Bewohnerinnen die Märkte von Milford Haven und Laugharne besuchten und sich für Silberpfennige von dort mitnahmen, was sie nöthig hatten. Zuweilen waren sie sichtbar, zuweilen unsichtbar. Die Inseln sah man in einiger Entfernung vom Lande. Sie hatten auch unterirdische Gänge von den Inseln zu den Städten.


Feentage.

Die Feen kommen meist nur am frühen Morgen oder spät am Abend, aber niemals ohne daß ihre Ankunft durch Musik angezeigt würde. In den meisten Gegenden ist Freitag der Feentag. Er unterscheidet sich darum auch im Wetter immer von den andren Tagen. Sind die andren Tage alle schön, so regnet es am Freitag, und ist das Wetter sonst schlecht, so scheint am Freitag die Sonne. Auch pflegen die Feen alle Freitag Nacht die Ziegenbärte auszukämmen, um sie für den Sonntag schmuck zu machen.


Feengaben.

Die faulen und schmutzigen Personen plagen und necken sie so lange, bis sie sich gebeßert haben, den fleißigen und reinlichen geben sie Geld, und zwar finden die Begünstigten an jedem Tage ein Stück an demselben Platze, so lange sie von ihrem Glücke schweigen. So fand ein reinliches Mädchen in Breconshire an jedem Morgen, wenn sie aufstand, einen Sixpence in ihrem Schuh. – Dagegen geben die Feen den Bauern oft auch Bröde, die am andern Morgen – Poggenstühle sind! Oder sie stehlen ihnen Kinder, und laßen Wechselbälge zurück. Und wer einmal bei den Feen gewesen ist, der kann nicht mehr rückwärts sehen, wie andre Leute. Eine Frau erzählte, ihr eigener Sohn, da er noch ein Junge gewesen wäre, hätte so traurig ausgesehn, daß alle Menschen gedacht und auch gesagt hätten: der müße von den Feen vertauscht worden sein!


Feenringe.

Diese Ringe im Walde oder auf den Wiesen gehören den Feen und bezeichnen den ihnen heiligen Boden und wer in dieselben eintritt, kann nicht wieder heraus. Sie sind aber nicht alle von derselben Größe und Gestalt. Einige enthalten sieben Ellen kahlen Bodens mit einem Grasflecken von ungefähr einem Fuß in der Mitte. Andre, von verschiedener Größe, werden von Gras eingefaßt, welches grüner ist, als das in der Mitte. Die Thiere wollen von diesem Gras nicht freßen1. Doch giebt es auch Leute, welche behaupten, grade dieses Gras verschlängen die Schaafe am gierigsten.

Wenn sich in einem Felde eine derartige Stelle findet, die – obwohl mehrmals gepflügt und gedüngt, doch Nichts tragen will, so ist das ein Zeichen, daß sich in der Familie, welcher das Feld gehört, in der Kürze ein Todesfall oder irgend ein andres Unglück ereignen wird. Solch einen Flecken im Felde nennt man: Grwn.
Fußnoten

1 ... you demi-puppets, that
By moonshine do the green sour ringlets make,
Whereof the ewe not bites.


Feenkriege.

So wie ihren König und ihre Königin haben die Feen auch ihre Kämpfe und Schlachten. Besonders wird von einer derselben, die zwischen Merthyr Tydvil und Aberdar Statt gefunden haben soll, noch viel erzählt. Da ward auf Kornpfeifen zum Angriff geblasen und wie die Reihen daherrückten, glitzerte ein Wald von Stecknadeln in der Sonne. Fähnlein von Band flatterten in allen Regenbogenfarben durch die Luft. Hinterdrein über die Wiesen kam der Feind, gleichfalls in tausend Farben schimmernd. Die eine Partei suchte die andre von einer kleinen Erhöhung des Wegs zurückzudrängen und als dieß zuletzt gelang, da herrschte die größte Verwirrung. Schwarze und weiße Pferdchen rannten durcheinander, einige von den Reitern kämpften in größter Hitze gegen einander, die andren versuchten es, die Reihen zu durchbrechen. Dabei wurden Nadelspeere, so zahlreich als die Bäume im Wald, geschwungen; dann schien es, als ob sie mit Schwertern föchten, darauf war wieder Nichts zu sehn, als dann und wann das Aufblitzen einer Federmeßerklinge. Endlich, nachdem der eine Theil gesiegt hatte, trieb er den andren vor sich her – Ross und Reiter verschwanden in einem hellen Nebel und keine Spur von Allem blieb zurück.


Quelle:
Rodenberg, Julius: Ein Herbst in Wales. Land und Leute, Märchen und Lieder. Hannover: Rümpler, 1857, S. 96-101.



 
translate
Bookmarks
Top Listen
Bilder aus der Galerie
Es sind keine Bilder in der Galerie vorhanden, die angezeigt werden können.
Galerie Statistik
  • Anzahl Bilder   558
  • Zugriffe   385077
Umfrage
Wie gefällt Euch das neue Design der Seite?