Startseite Sagen Luxemburg Das weiße Burgfräulein der Niederburg (bei Weilerbach)

Das weiße Burgfräulein der Niederburg (bei Weilerbach)

A. Auf dem bewaldeten Berg Niederburg, dicht hinter dem Weilerbacher Schloß, stand nach der Volkssage das Zauberschloß der Niederburg. Hier weilt ein verwünschtes, wunderschönes Burgfräulein. In lauen Sommernächten sehen zuweilen die Fischer diese holde Jungfrau mit blendendweißem Nacken und dichten, goldenen Locken der Sauer entsteigen und einer vielhundertjährigen Buche auf der Niederburg zuschweben.

Reiners, Histor. und romant. Echternach 43

B. Auf dem linken Sauerufer, dicht hinter dem Weilerbacher Schloß, befinden sich an einem steilen Bergabhang die unbemerklichen Überreste einer alten Ritterburg. Es stand hier nach der Volkssage die Niederburg. Dort lebte vor vielen, vielen Jahren ein reicher Ritter mit seinem einzigen Töchterlein aus erster Ehe. Der Ritter war überall als ein guter, leutseliger Mann bekannt; besonders aber hatte seine fromme Tochter die Liebe aller gewonnen und beide lebten friedlich auf ihrem Schloß. Zum Unglück der Tochter verheiratete sich der Graf wieder. Die Stiefmutter verfolgte das Burgfräulein, wie und wo sie nur konnte. Das arme Edelfräulein mochte am Ende nicht mehr in der Burg wohnen und floh hinunter ins Dorf Bollendorf. Hier ging sie täglich dem Strande der Sauer entlang Blumen pflücken oder sammelte reife Heidelbeeren auf der Heide.

Einst, als sie am Rande der Sauer Blumen pflückte, fiel sie ins Wasser und ertrank. Das Volk aber glaubte nicht an den Tod dieses frommen Mädchens, sondern sagte, jedes Jahr, wenn die Heidelbeeren reif seien, erscheine das Burgfräulein der Niederburg, auch genannt das Edelfräulein aus der Wasserschaft, auf der Heide und zeige den guten Kindern diejenige Stelle, wo die besten und die meisten Heidelbeeren wachsen. Daher soll es kommen, daß die Bollendorfer Jugend noch heute immer so viele Heidelbeeren findet, welche sie dann nach Echternach bringt und dort verkauft.

Quelle:
Gredt, Nikolaus: Sagenschatz des Luxemburger Landes 1. Neudruck Esch-Alzette: Kremer-Muller & Cie, 1963, S. 277.

Quelle: http://www.zeno.org - Zenodot Verlagsgesellschaft mbH

 
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