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Das weiße Fräulein zu Cessingen

In Riesesch Haus zu Cessingen saßen eines Abends die Knechte und Taglöhner auf der Siedel und plauderten zusammen. Plötzlich stand dicht vor ihnen am Gußstein ein wunderschönes Fräulein, deren lange, goldene Haarlocken weit über den Rücken herabwallten. Nachdem sie Wasser geschöpft, begann sie sich zu waschen, gleich als ob sie eben vom Schlaf erwacht sei. Darauf zog sie unter den Falten ihres schneeweißen Mantels einen silberblanken Kamm hervor, kämmte und ordnete das Haar und wand die langgeflochtenen Zöpfe zierlich um den Kopf. Sodann verschwand die seltsame Erscheinung durch die Gußsteinrinne und wurde nie wieder gesehen.

Lehrer Konert zu Hollerich

Quelle:
Gredt, Nikolaus: Sagenschatz des Luxemburger Landes 1. Neudruck Esch-Alzette: Kremer-Muller & Cie, 1963, S. 268.

Quelle: http://www.zeno.org - Zenodot Verlagsgesellschaft mbH

 
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