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Eine Elegie - Johann Gottfried Herder


Eine Elegie

Wo bin ich? – In Einsiedeleien
Find' ich mich!
Gespenster schatteten weg, Gedankentiefen
Brausen herab und ruhn! –

Da, wo im Mitternachtshain auf Scheidewegen
Feen wandelten,
Cypressen den Thau herunterrauschten
Auf mein entblößtes Haupt;

Um mich Gräber der Brüder, Geisterstimmen
Aus der Urne Schooß –
Hör's! sie dumpfen herauf! – St! jener Moder
Lispelt Antwort und schweigt –

Und auf sterbenden Gipfeln ew'ger Ulmen
Wandelt – hörst's? – der Sturm,
Der von sinkenden ritterlichen Trümmern
Meinen Tempel heran-

steigt, in dem Gespenster den neuen Todten
Vor dem Altar weihn.
Kaum sieht Hekate selbst durch alte Fenster
Ihren Gelübden zu,

Und vom gothisch gehörnten Thurme seufzen
Eulen halbes Ach! –
Und mein Vater vor mir! Ich schaudre, schaudernd
Wach' ich – und um mich Nacht!

Quelle:
Johann Gottfried Herder: Werke. Erster Theil. Gedichte, Berlin 1879, S. 406-407.

 
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