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Das Feenland - Friedrich Matthisson


Das Feenland

Mit Rosen umweben
Der Sterblichen Leben
Die gütigen Feen;
Sie wandeln und walten
In tausend Gestalten,
Bald häßlich, bald schön.

Da wo sie gebieten
Lacht alles, mit Blüten
Und Grün emaillirt;
Ihr Schloß von Topasen
Ist herrlich mit Vasen
Von Demant geziert.

Von Zeilons Gedüfte
Sind ewig die Lüfte
Der Gärten durchweht;
Die Gänge, statt Sandes,
Nach Weise des Landes,
Mit Perlen besät.

Ambrosiatische
Sind hier in der Frische
Der Grotten versteckt;
Dort blasen im Grünen
Kristallne Delfinen
Tokaier und Sekt.

Den Blüten entflimmert,
Von Früchten umschimmert,
Der Kolibri Schmelz,
Und Nachtigallkehlen
Vom Leman beseelen
Das Badegehölz.

Da flattert, im Scheine
Des Mondes, der kleine
Geflügelte Wicht,
Schlau, wie die Annalen
Cytherens ihn malen,
Mit sanftem Gesicht.

Aus dämmerndem Grunde
Steigt eine Rotunde
Von Jaspis empor,
Die Wände wie Spiegel,
Von Golde die Riegel
Am ehernen Thor.

Da sprudelt im Dunkel,
Erhellt von Karfunkel,
So alt wie die Zeit,
Ein Quell, dessen Tugend
Die Blume der Jugend
Und Schönheit erneut.

Seit Salomo nahte
Dem luftigen Staate
Kein Aeronaut.
Dies hat mir, nach Schriften
In Mumiengrüften,
Ein Sylphe vertraut.

Noch kann ich zu wenig
Von dem, was der König
Der Geister gekonnt;
Sonst wäre zur Stunde,
Zusamt der Rotunde,
Der Quell in Pyrmont.


Quelle:
Friedrich Matthisson: Gedichte, Band 1, Tübingen 1912, S. 150-152.

 
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